Fahd erzählt von seiner Fluchterfahrung und von der Folter in syrischen Gefängnissen

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Freies Radio Wüste Welle

 

"Es ist einfacher, wenn man im Gefängnis in Syrien stirbt, als wenn man dort überlebt und gefoltert wird."

Fahd kommt aus der Region Ost-Ghouta, die sich in der Nähe von Damaskus in Syrien befindet. Er ist 2015 nach Deutschland gekommen. Er hat zuerst in einem Dorf zwischen Nürnberg und Würzburg in Bayern gelebt, bevor er dann nach Reutlingen in Baden-Württemberg gezogen ist. Dort hat er alte Jugendfreunde aus Ost-Ghouta wiedergefunden, darunter auch Ahmad, der ein Mitglied von NewcomerNEWS der ersten Stunde ist. In Reutlingen besucht Fahd auch einen Sprachkurs, der in den letzten Monaten wegen Corona online stattgefunden hat, womit sich Fahd schwer tut.

In Zukunft möchte Fahd Medizintechnik an der technischen Hochschule in Ulm studieren, weil er sich schon immer für Physik und Mathe interessiert hat. Doch bis das klappt, will er in der Redaktion von NewcomerNEWS aktiv sein und seine Geschichte erzählen. Fahd möchte, dass die hier lebenden Menschen verstehen, dass er nicht ohne Grund sein Land verlassen hat. 

In Syrien wollte Fahd auch studieren. Doch am ersten Uni-Tag wurde er vom Militär festgenommen und kam ins Gefängnis. Es war nicht das erste Mal, dass Fahd verhaftet wurde. Bereits am 1. April 2011 wurde er festgenommen, weil er an einer Demonstration teilgenommen hatte. Damals war er erst 15 Jahre alt und wurde auf die schlimmste Art und Weise gefoltert.  Die Gefangenschaft dauerte drei Tage, in denen Fahd nur fünf Stunden geschlafen hat. Die Bilder von dort kann er niemals vergessen. Das zweite Mal war der Grund für die Verhaftung in Damaskus einfach nur, dass er aus der Stadt Douma in Ost-Ghouta kam, eine Stadt in der viele Gegner*innen des Assad-Regimes leben. Er wurde ein paar Tage gefangen gehalten, konnte durch Schmiergelder rauskommen und ist dann über Libanon und die Türkei nach Deutschland geflohen.

Seine Flucht dauerte insgesamt zwei Wochen. In der Türkei ist Fahd drei Tage geblieben und dann hat er fast eine Woche für den Weg nach Deutschland gebraucht. Die schwersten Erfahrungen waren dabei die Fahrt mit dem Boot nach Griechenland und die Probleme an der Grenze in Ungarn. In Deutschland angekommen ist er drei Tage bei seinen Großeltern gewesen und musste dann in eine Geflüchtetenunterbringung. 

Am 1. März sind Fahds Großeltern nach Balingen gezogen. Sie haben nur ein Monat dort gelebt und sich dann mit dem Corona-Virus infiziert. Leider hat der Großvater durch den Virus andere Krankheiten bekommen wie Nierenversagen und Blutvergiftung. An den Folgen dieser Krankheiten ist er gestorben. Fahd, seine Tante und seine Cousine haben sich die ganze Zeit um die Großeltern gekümmert, sie getragen und gewaschen. Alle drei haben den Virus auch bekommen und konnte zwei Monate lang nichts mehr riechen und schmecken.

Fahd zieht seine Kraft, um diese schwierigen Erfahrungen und Erlebnisse zu überstehen, von seiner Familie, seinen Freunden und von der Religion. 

Interview mit Fahd
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